Alte Werte neu entdeckt
Seit Urzeiten verwendet der Mensch Bambus, um seinen Lebensraum zu gestalten. Schon früh entdeckte er die Vorteile der aufrecht und gerade wachsenden Pflanze als vielseitig einsetzbares Material. Sie wächst schnell, ist elastisch, hat ein geringes Eigengewicht und lässt sich selbst mit einem Messer einfach bearbeiten und formen.
Bald erkannte man auch das strukturelle Tragvermögen des hohlen Naturmaterials. Bereits vor der Bronze- und Eisenzeit wusste der Mensch, dass die langen Fasern von Bambus dank ihres Reichtums an Siliziumdioxid eine Art pflanzlichen Stahl liefern.
Diese Erkenntnisse über das aussergewöhnliche Material führten zu vielfältig durchdachten Konstruktionen, die sich ebenso in den traditionellen Wohnbauten der asiatischen und afrikanischen Kulturen wie im Modernismus der kolumbianischen und japanischen Architektur finden.
In Europa ist Bambus leider um die Jahrhundertwende etwas in Vergessenheit geraten. Neue Werkstoffe wie Beton, Stahl und Plastik haben Bambus ins Abseits gedrängt. Bambus wurde zum «Holz des armen Mannes». Doch spätestens seit Holz weltweit knapper geworden ist und synthetische Werkstoffe sich vielfach als umweltbelastend erwiesen haben, prognostizieren Experten dem Bambus seine Wiederentdeckung als hochwertiges Baumaterial.
Hart, hohl und doch flexibel
Bambus verfügt über eindrucksvolle physikalische Eigenschaften. Sein geringes Gewicht, seine hohe Druck-, Zug- und Biegungsbelastbarkeit sowie die leichte Verarbeitungsfähigkeit machen die nachhaltige Pflanze zu einem äusserst attraktiven Baumaterial für zahlreiche Anwendungsgebiete.
Die Konstruktion mit Bambus erfordert jedoch einiges an handwerklichem Geschick, worin sich bis anhin vorwiegend asiatische Spezialisten hervorgetan haben. Die teilweise komplizierten Füge- und Knüpftechniken zum Verbinden von Bambusrohren sind eine sehr anspruchsvolle manuelle Tätigkeit und erfordern ein profundes Know-how.
Will man Bambus als ökologisch nachhaltiges Baumaterial am Markt zum Durchbruch verhelfen, bedarf es einer Vereinfachung im Verbinden von Bambusrohren und einer Standardisierung des Konstruktionsprinzips.
Bambus für alle Dimensionen
In Asien werden nicht selten Gebäude mit 50 bis 60 Stockwerken mit Bambus eingerüstet. Das Material gilt als widerstandsfähig, elastisch und flexibel. Die einzelnen Bambusrohre werden mit Seilen oder Plastikbindern, manchmal auch mit Draht miteinander verbunden und können so einfach wieder abgebaut und weiterverwendet werden. Bambusgerüste sind wesentlich billiger als Stahlgerüste, umweltfreundlicher und wegen des geringeren Gewichts einfacher aufzubauen und zu transportieren.








